Darf sowas in einem Altenheim passieren?
Frage von Frida mit Hut für die Zwetschge: Darf sowas in einem Altenheim passieren?
Die Großmutter meines Mannes ist leider schon seit einiger Zeit an Alzheimer erkrankt. Sie wurde erst zu Hause von meiner Schwiegermama gepflegt, aber im fortgeschrittenem Stadium der Krankheit ging das dann leider nicht mehr, dam ihr wirklich auf Schritt und Tritt folgen musste, damit ihr nichts zustößt.
Meine Schwiegereltern haben dann schweren Herzens ein Altenheim für sie ausgesucht, welches bei der Besichtigung einen sehr guten Eindruck machte. Die Leitung des Heims sagte aus Erfahrung mit Alzheimer- und Demenz-Kranken zu haben. Ich nehme mal schwer an, da es ein privates war wurde halt eben eifrig “Werbung” gemacht.
Als unsere Oma dann drin war sah das dann allerdings plötzlich alles ganz anders aus…
Als unsere Großmutter zweimal ausgebüchst war, einfach weil sie verwirrt war und den Pflegern dort zu anstrengend wurde, durfte sie sich plötzlich während der Tageszeit nicht mehr in ihrem privaten Zimmer aufhalten und wenn wir sie besuchten fanden wir sie jedesmal alleine in einem von außen verschlossenen Tagesraum, einer Art Cafeteria, wieder. Da saß sie stets alleine am Tisch, ohne jede Beschäftigung. Kein Buch, keine Zietschrift, kein TV und keinen Ansprechpartner. Plötzlich war ihre Brille weg und als wir nachfragten, sagte die Leiterin auch noch ganz unverblümt, die Brille habe man ihr abgenommen, da sie dann, wenn sie nur eingeschränkt sehen könne, nicht mehr soviel anstellt – da schon – fassungslos!
Als wir die Oma einmal zu einem Ausflug mitnahmen, bekamen wir einen Haufen Tabletten in die Hand gedrückt, welche sie über den Tag verteilt einnehmen solle. Auf die Frage um was es sich dabei handle kam nur “Das müssen sie mit unserem Hausdoktor besprechen”.
Für uns waren das zweifellos sehr starke Beruhigungsmittel, denn sobald sie diese eingenommen hatte war sie so gut wie gar nicht mehr ansprechbar und saß völlig katatonisch da.
Ein paar Tage später kamen wir wieder im Heim an und unsere Oma lag in oben genanntem Raum auf dem Fließenboden und schlief – eingesperrt.
Da war für uns das Maß voll und wir haben sie sofort aus dem Heim mit nach Hause genommen.
Nun, in der Zwischenzeit fanden wir ein neues Haus, in dem es sehr viel liebevoller zugeht, dort bekommt sie wesentlich weniger Medikation, sie kann sich frei bewegen, wird beschäftigt und das haus verfügt auch über einen großen “Demenzgarten”, eine Aussenanlage, in der sie sich aufhalten kann, wann sie will, der aber so abgesichert ist, daß sie nicht ausbüchsen kann. Sie bekommt wesentlich weniger Medikamente und ist jetzt wieder viel aufnahmefähiger.
Mit der Heimleiterin des ersten Heimes gab es dann noch eine große Auseinandersetzung wegen der ganzen Vorfälle. Sie sagte dann plötzlich, sie seien nunmal nicht auf Demenzkranke und Alzheimerpatienten eingestellt und entschuldigte alles damit, daß solche Methoden in der Altenpflege völlig normal seien und die Erwartungen von uns einfach viel zu groß seien, was so eine Unterbringung beträfe, usw…
Ist sowas wirklich schon so Gang und Gäbe heute?
Muss eine Medikation nicht auch mit den Angehörigen abgesprochen werden?
Unsere Oma hat es ja nun wesentlich besser, aber ich mache mir schon Gedanken ob man so etwas nicht melden sollte. Es sind ja gewiß viele Menschen diesen unwürdigen Umständen ausgesetzt.
Kann man so etwas überhaupt irgendwo melden? Wenn ja – wo?
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